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Titel des Dokuments: Regionale Informationen
 

Bayern: Studium der Ermittlungsakten zum Oktoberfest-Attentat 1980 belegen enge Verwicklung des Attentäters in die damalige Neonazi-Szene (Oktober 2011)

"Aus jetzt frei gegebenen Akten geht hervor, dass der Oktoberfest-Attentäter von 1980 neben der „Wiking-Jugend“ und der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ unter anderem enge Kontakte zum „Hochschulring Tübinger Studenten“ (HTS) pflegte. Darüber berichtet aktuell auch der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Der HTS war 1968 als „antikommunistische Alternative“ unter maßgeblicher Beteiligung von Verbindungsstudenten gegründet worden", so der "Blick nach Rechts" vom 25. Oktober 2011.

Der gesamte Artikel: "Im braunen Sumpf", 25.10.11, hier klicken!

Nazis, Drogen und Pflegeheim: Leonhard F. Seidls Roman "Mutterkorn" (Oktober 2011)

Leonhard F. Seidls „Mutterkorn“ ist ein gut und spannend geschriebener Entwicklungsroman, der verschiedene Phasen im Leben eines jungen Mannes, politisch sozialisiert in den schrecklichen 1990er Jahren, nachzeichnet. Dabei werden im Verlauf mehrere Stationen des neonazistischen und rassistischen Terrors im wiedervereinigten Deutschland gestreift, vom Pogrom eines rechten Mobs gegen Flüchtlinge in Rostock-Lichtenhagen 1992 bis zum geplanten Anschlag der „Kameradschaft Süd“ auf die Feier zur Grundsteinlegung des Jüdischen Zentrums Jakobsplatz in München im Jahr 2003. Die Handlung des Romans spielt teilweise in und um Nürnberg - dennoch verschont der Autor die LeserInnen mit langweiligem Lokalkolorit.

Der Protagonist namens Albin stolpert derweil durch Drogendelirien, Antifa-Demos, Liebesgeschichten und im Nachtdienst durch ein Alten- und Pflegeheim. Dort ist die Gesamtsituation, bedingt vor allem durch Personalmangel und lieblose Grundhaltung den gesellschaftlich scheinbar nicht mehr „Produktiven“ gegenüber, derartig mies, dass ein gewisses Verständnis für den meist bekifften Zustand Albins aufkommt. In einer Drogentherapieeinrichtung kommt der „Polytoxe“ schließlich in mehrfacher Hinsicht wieder zu sich und ist, ernüchtert und vom Drogennebel befreit, mit einigen als Patienten anwesenden braunen Wiedergängern beschäftigt. Die fühlen sich manchmal ganz wohl in der Einrichtung, werden von einigen Fachkräften hauptsächlich als Opfer familiärer Vorgeschichten betrachtet und fahrlässigerweise in ihrer politischen Motiviertheit nicht ernst genommen. Beim provokativen Landser-Hören im Gruppenraum kommt es zu ersten verbalen Konfrontationen.

Die anstößige gesellschaftliche Realität rund um die Neonazis ist in Mutterkorn durchgehend präsent. Einen belehrenden Unterton wie auch schematische Einschätzungen sucht man zum Glück vergebens. Antifaschistisches Engagement wie auch relevante berufliche Erfahrungen des Autors im sozialen Bereich mögen dazu beigetragen haben. Trotz der insgesamt düsteren Thematik gibt es immer wieder heitere und äußerst witzige Textpassagen. Alleine die teilweise seltsamen, passend zu den Personen gewählten Vornamen lohnen die Lektüre...

Leonhard F. Seidl, Mutterkorn. Kulturmaschinen Verlag, Berlin 2011. 14,90 Euro.

Biografien über Schickedanz, Diehl & Co.: "Schöllgens Bücher lesen sich, als seien sie vor 50 Jahren verfasst worden" (Mai 2011)

"Gregor Schöllgen von der Uni Erlangen und Privatbüros bieten Firmen an, gegen Honorar ihre Firmengeschichte zu schreiben. Ist das Wissenschaft?"

Dies fragt Christian Staas einleitend in einem Artikel für Zeit Online (4.5.11). Für die Region ist diese Fragestellung vor allem deshalb interessant, weil der Historiker Schöllgen biografische Arbeiten über hiesige Firmen und Firmenchefs mit "Verstrickungen" in der Nazizeit veröffentlicht hat.

Staas argumentiert: "Alle vier Bücher folgen demselben Erzählmuster der klassischen Heldengeschichte. (...) In allen vieren schließlich finden sich wortgleiche Textbausteine, vor allem in den Kapiteln über die NS-Zeit, wobei der immer gleiche Parcours von Argumenten durchlaufen wird. Station eins: der Eintritt in die NSDAP. Station zwei: Expansion durch »Arisierung« jüdischer Betriebe. Station drei: Beschäftigung von Zwangsarbeitern. Station vier: Entnazifizierung.

Entsprechend ähneln sich die Ergebnisse. Diehl, Brose, Schickedanz und einer der Schöller-Brüder sind in die NSDAP eingetreten, um Schlimmeres von Firma und Heimatstadt abzuwenden, nicht aber aus Überzeugung. »Arisierung«? Nein, in allen Fällen sei zwar jüdischer Besitz aufgekauft worden, aber es habe sich um gewöhnliche Verkäufe gehandelt zu verhältnismäßig fairen Preisen. Die Zwangsarbeiter seien gut behandelt worden. Und so steht das Urteil fest, in Übereinstimmung mit den Spruchgerichtskammern, die nach 1945 in den Entnazifizierungsverfahren entschieden haben: Diehl, Brose, Schickedanz und der Schöller-Bruder waren Mitläufer – außen braun, innen aber allein einer ökonomischen Ratio verpflichtet."


Dass diese das "Engagement" deutscher Firmen in der NS-Zeit verharmlosende Erzählweise mittlerweile auch in Fachkreisen kritisiert wird, ist lobenswert.

Der gesamte Artikel von Zeit Online: ("Die Firma zahlt"): hier klicken!

Nürnberger Nachrichten ("Wenn Geschichte zum Produkt wird", 29.4.11): hier klicken!

Klausurtagung der bayerischen NPD: Völkische Ausrichtung wie gehabt (Februar 2011)

Rüdiger Löster analysierte für Endstation Rechts Bayern eine landesweite Klausurtagung der NPD Bayern vom Januar 2011. Sein Fazit: "Mit ihren Aussagen knüpft die NPD eindeutig an die Programmatik der NSDAP an. Sie definiert ebenso wie die NSDAP die „Deutschen“ als ein Kollektiv von „Blutsdeutschen“ und widerspricht damit den Menschenrechten. Alle Menschen sind gleichwertig, mit ihrer Ausländerpolitik vertritt die NPD dagegen die Auffassung, dass abstammungsmäßig definierte „Deutsche“ höher gestellt seien als andere Menschen."

Endstation Rechts Bayern ("Die bayerische NPD fordert Arbeitsdienst für Hartz-IV-Empfänger, Leiharbeiter und Praktikanten", 20.12.11): hier klicken!

Analyse der u.a. im Nürnberger Tønsberg-Laden verkauften aktuellen Thor-Steinar-Kollektion durch ver.di Mittelfranken (April 2010)

Ver.di Mittelfranken analysiert die u.a. im Nürnberger Tønsberg-Laden verkaufte aktuelle Thor-Steinar-Kollektion in einem ausführlichen Text. "Insgesamt setzt Thor Steinar seine Design-Strategie fort. Die faschistischen Reminiszenzen und Assoziationen weichen zusehends dem Abfeiern der Marke als solche. Nach erfolgreicher Verortung als rechte Marke reichen nun Logo und Schriftzug völlig aus, um faschistische Identität zu demonstrieren. "Thor Steinar" wird dabei immer mehr verkürzt: "Steinar" 2007 - "STNR" 2009 - "STN" 2010.

Auffällig ist, dass nunmehr das alte Logo mit der hieraus lesbaren Doppel-Sig-Rune vorrangig wiederverwendet wird, nachdem die verfassungsrechtliche Bedenklichkeit seitens der Justiz verneint wurde. Neu ist auch, dass das Gesicht der Models sämtlich nicht erkennbar ist, was für einen Modekatalog recht ungewöhnlich erscheint.

Die Kollektion bleibt weiterhin äußerlich sportlich schick. Reminiszenzen an den Hitler-Faschismus, Gewaltverherrlichung, deutsche Kolonialzeit und der Missbrauch Nordischer Mythologie bleiben dabei deutlich, ohne eine strafrechtlich relevante Grenze zu überschreiten."


Der ausführliche Text im Internet: hier klicken!

Neuerscheinung: Peter Zinke, "An allem ist Alljuda schuld". Antisemitismus während der Weimarer Republik in Franken (Februar 2010)

Ein sehr umfassendes und materialreiches Werk über den regionalen Antisemitismus vor 1933 legte der Nürnberger Historiker Peter Zinke vor. Organisatorische und ideologische Entwicklungen der regionalen NS-Bewegung, Gewalttaten, antisemitische Stereotype sowie der Kampf der AntisemitInnen gegen die Moderne werden detailliert dargestellt. Aber auch der Widerstand gegen diese Entwicklungen wird teilweise skizziert: Jüdische Abwehrmaßnahmen, der Kampf des Nürnberger OB Hermann Luppe sowie der militante Widerstand aus der ArbeiterInnenschaft, der vor allem in Fürth schon in den frühen 1920er Jahren sehr ausgeprägt gewesen zu sein scheint.

Nach der Lektüre wird klar, warum der Antisemitismus in Nürnberg und Westmittelfranken "schon zu Beginn der 1920er Jahre gesellschaftsfähig" und dann sogar "zum konservativen Mainstream" wurde. Neben der "hyperaktiven" NS-Bewegung und Streichers Stürmer seien folgende Faktoren ausschlaggebend gewesen:

Der Nationalprotestantismus habe sich, anknüpfend an Luthers Antisemitismus, frühzeitig auf die Seite der NationalsozialistInnen geschlagen. Der Nürnberger Polizeipräsident Gareis habe neben der hiesigen Justiz die NS-Bewegung kräftig unterstützt und vor allzu massiver Repression in Schutz genommen. Schließlich habe ein zuvor liberales Massenblatt, der Fränkische Kurier, in den ersten Weimarer Jahren offen für die NationalsozialistInnen geworben. Weitere Aspekte: In den agrarischen Regionen habe eine kampfbereite, organisierte ArbeiterInnenschaft gefehlt, während in den Städten die SPD eine destruktive Stillhaltetaktik verfochten und die KPD "ausgedehnt mit den Nazis sympathisiert" habe.

Für letztere pauschalisierende Behauptung erbringt Zinke nur dünne Belege. Der Großteil seines nur sechs Seiten langen Kapitels "Affinität zwischen Kommunisten und Völkischen" besteht aus Polizeiberichten und Zitaten aus faschistischen Reden. Die tatsächliche Bedeutung antisemitischer Ideologien in der Anhängerschaft der KPD lässt sich so nicht nachweisen. Während Zinke die Entwicklung der antisemitischen Bewegungen detailreich nachvollzieht und in einen historischen Rahmen einordnet, tut er dies bei seinen Betrachtungen über die Weimarer KPD in fränkischen Gefilden keineswegs. Die kritische Forschung bleibt an diesem Punkt also weiterhin gefragt.

So wäre ein Hinweis auf die Schlageter-Linie der KPD während und nach der Ruhrbesetzung in den 1920er Jahren hilfreich gewesen. In einer berühmt-berüchtigten Rede 1923 würdigte der Komintern-Funktionär Karl Radek den Faschisten Albert Leo Schlageter als "mutigen Soldaten der Konterrevolution", der "von den Schergen des französischen Imperialismus" erschossen worden sei. Die Hinrichtung Schlageters löste in Deutschland eine chauvinistische Welle aus, auf der die KPD offenbar mitschwimmen wollte (bzw. auf Komintern-Anweisung musste). Die Schlageter-Linie sollte der KPD wohl eine erfolgreiche Agitation in völkischen Kreisen ermöglichen. Und tatsächlich gab es eine Zeitlang rege Debatten zwischen kommunistischen und völkischen Kadern.

Diverse diesbezügliche programmatische Verwirrungen der KPD gipfelten in der unsäglichen "Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes" von 1930. Mit nationalistischen Phrasen versuchten sich Thälmann & Co. im Wahlkampf 1930 gut zu positionieren: "Nur wir Kommunisten kämpfen sowohl gegen den Youngplan als auch gegen den Versailler Raubfrieden, den Ausgangspunkt der Versklavung aller Werktätigen Deutschlands." Letzten Endes erzeugten diese und andere zeitweise Anpassungsversuche der KPD an den rechten Zeitgeist heillose Verwirrung in der eigenen Anhängerschaft und schwächten den Widerstand gegen die NationalsozialistInnen. So weit ist Zinke Recht zu geben. Aber auch die Schlageter-Linie, beispielsweise, verschwand so plötzlich, wie sie gekommen war.

Mit seinen oben genannten verallgemeinernden Schlussfolgerungen ("mit den Nazis sympathisiert", "Affinität zwischen Kommunisten und Völkischen") schießt der Autor übers Ziel hinaus und wird auch der Rolle der KPD im Widerstand gegen das NS-Regime nicht gerecht.

Insgesamt ist die Lektüre des Buchs sehr zu empfehlen.

Peter Zinke, "An allem ist Alljuda schuld". Antogo Verlag Nürnberg, 24 Euro.

Vor 30 Jahren: Verbot der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann" (Januar 2010)

Die 1980 verbotene "Wehrsportgruppe Hoffmann" trieb ihr Unwesen zwar überregional, hatte ihre Zentrale jedoch lange Zeit im oberfränkischen Ermreuth. Zum Thema ein aktueller Artikel von Oliver Tolmein aus Deutschlandradio Online: hier klicken!

Nürnberg: Liste mit zahlreichen Namen der Nürnberger Gestapo aufgetaucht (Dezember 2009)

Ein Nürnberger Laienforscher stieß im Staatsarchiv Nürnberg auf ein vollständiges Organigramm der Gestapo Nürnberg. Dies ist nicht nur von rein historischem Interesse, da diese Herrschaften ihre Mitgliedschaft in der Terrororganisation Gestapo nach der Niederlage des Deutschen Reichs in der Regel verheimlichten:

"Viele in den Kriegsverbrecherprozessen gemachten Aussagen, so Thomas Auburger, wie beispielsweise die des SS-Obersturmführers Helmut Rudersdorf, der an Arisierungsaktionen beteiligt war, aber eine Mitgliedschaft bei der Gestapo immer verneint hat, können anhand des Organigramms nun widerlegt werden. Auch die Tatsache, dass ein großer Teil der Gestapo Nürnberg die Entnazifizierung schadlos überstanden hat, indem ihre Mitglieder nach 1945 sukzessive wieder als Polizeibeamte in den Staatsdienst übernommen wurden, lässt sich nun konkret aufzeigen" (Nürnberger Nachrichten, 18.12.09).

Eine Publikation über die Weiterbeschäftigung von Nazis in Nürnbergs Polizeiapparat wäre nun allerdings wirklich wünschenswert. Nicht nur die von der "Polizeikompanie Nürnberg" im deutschen Vernichtungskrieg 1939 - 1945 angerichteten Massaker (hier klicken!) verpflichten zu dieser Aufarbeitung der konkreten NS-Geschichte vor Ort.

Der vollständige NN-Artikel: hier klicken!

Nürnberg, Fürth, Gräfenberg: Kontroversen um die braunen Jahre. Regionale Vergangenheitsbewältigung ist noch lange nicht abgeschlossen (Gustav Schickedanz) bzw. fängt gerade erst an (Dr. Carl Ittameier) (November 2009)

Der Fall Gustav Schickedanz: Im Herbst 2009 wärmte die "Abendzeitung Nürnberg" (AZ) einige Legenden zum Quelle-Gründer in Form einer Artikelserie erneut auf. Wir entgegnen mit einer Zusammenfassung neuerer Publikationen der beiden Nürnberger Historiker Dr. Eckart Dietzfelbingen und Peter Zinke. Zu unserem Artikel "Der gereinigte Gustav": hier klicken!

Der Fall Dr. Carl Ittameier: Am 13.11.09 fand im völlig überfüllten Gräfenberger evangelischen Gemeindehaus ein Vortrag des Historikers Dr. Thomas Greif zum Thema "Gräfenberg und der Nationalsozialismus (1930-1945)" statt. Kernaussage des Referenten: Gräfenberg war vor allem in den Jahren vor 1933 eine "braune Hochburg". Dies zeigte sich erstens in der Tatsache, dass sich der zweitgrößte Ort des damaligen Kreises Forchheim Anfang der 1930er Jahre zum zunehmend bestimmenden Zentrum der Partei in der Region entwickelte. Von dort aus, getragen u.a. von der äußerst aktiven Gräfenberger NSDAP-Ortsgruppe, wurde die ganze Umgebung propagandistisch durchdrungen. Ortsgruppenleiter war ab 1930 der in Gräfenberg ansässige Arzt Dr. Ittameier (1882 - 1978). Konsequenterweise wurde nach der NS-Machtübernahme zunächst Gräfenberg und nicht Forchheim Sitz der NSDAP-Kreisleitung; Ittameier wurde zum Kreisleiter ernannt.

NSDAP-Wahlergebnisse von teilweise deutlich über 80% bei den letzten freien Wahlen deuten zweitens darauf hin, dass die Nationalsozialisten in Gräfenberg - wie in einigen anderen Regionen Mittel- und Oberfrankens - bereits vor 1933 mental die Macht ergriffen hatten.

Im Zentrum der Kontroverse stand die Person Dr. Ittameier, von einigen älteren GräfenbergerInnen beschönigt und mit den in solchen Fällen üblichen Konstruktionen ("war kein schlechter Mensch", "lebte neben einer Jüdin", "rettete ein behindertes Kind" usw.) dargestellt und verteidigt. Diesen teilweise widerlegbaren Zeitzeugen"erinnerungen" stellte Greif unbestreitbare Fakten zur Seite: Ittameier war 1936 an der Zerstörung von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof Ermreuth beteiligt. Weiter wirkte er in der Pogromnacht im November 1938 in Forchheim an der Spitze einer Abteilung von Nazis, die brandschatzend, zerstörend und Juden angreifend durch die Stadt zogen. Dafür wurde er 1949 vom Landgericht Bamberg als einer der Haupträdelsführer wegen schweren Land- und Hausfriedensbruchs zu einer Strafe von fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Krieg von der Spruchkammer als "Hauptschuldiger" eingestuft, verbüßte er seine Haftstrafe und lebte danach noch viele Jahre in Gräfenberg.

Zum Artikel der Nordbayerischen Nachrichten (18.11.09): hier klicken!

Vom Ursprung deutschen Reichtums: Die Schaeffler AG (April 2009)

Wegen des lokalen Bezugs geben wir einen Bericht auf NPD-blog.info über die "Vorgeschichte" der offiziellen Firmengeschichte der Schaeffler Gruppe (Stammsitz Herzogenaurach) wieder:

"Berichte über ein NS-Lager im ehemaligen deutschen Katscher (heute Kietrz/Südpolen) haben nach einem Bericht von German-Foreign-Policy.com neue Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe geliefert. Wie aus den Berichten hervorgehe, bediente sich die damalige Schaeffler AG in den letzten Kriegsjahren der Arbeitskraft von Gefangenen, die im "Polenlager Nr. 92" in Katscher interniert waren.

In "Polenlagern" wurden demnach vor allem Menschen festgehalten, die den Behörden wegen passiven oder aktiven Widerstands gegen die deutschen NS-Besatzer bekannt waren. Überlebende des "Polenlagers", die in der Schaeffler AG Zwangsarbeit leisten mussten, berichten den Angaben zufolge, dort sei "auch Menschenhaar verarbeitet" worden. Dies deckt sich mit Erkenntnissen polnischer Wissenschaftler, denen zufolge Menschenhaar aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Katscher verwertet wurde. Die Auseinandersetzung um eventuelle Geschäftskontakte der Schaeffler AG zum Lager Auschwitz finde weiterhin fast gänzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, schreibt GFP.com weiter.

Die NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe, die ihre Gründung offiziell immer noch auf das Jahr 1946 datiere, sei mittlerweile in Umrissen bekannt. Demnach übernahm Wilhelm Schaeffler 1940 im damals schlesischen Katscher (heute: Kietrz/Südpolen) eine Textilfabrik, deren jüdischer Vorbesitzer im Jahr 1933 hatte fliehen müssen. Schaeffler stieg den Angaben zufolge bald in die Rüstungsproduktion ein und verdiente Geld mit der Produktion für die Wehrmacht und den deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa. Umstritten sei noch immer die Frage, ob Schaeffler Geschäftskontakte zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau unterhielt. Hinweise darauf hatte german-foreign-policy.com Anfang Februar veröffentlicht."


Zum gesamten Bericht mit weiteren Links: hier klicken! Vorausgegangen waren mehrere Berichte in überregionalen Medien in den letzten Wochen (Spiegel TV, süddeutsche.de usw.).

Grenzen lokaler Demokratie - Grüne Studie untersucht zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Nazis im ländlichen Raum (2009)

Die im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion erstellte Studie "Grenzen lokaler Demokratie - Zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Nazis im ländlichen Raum" wurde zwar bereits vor 2 Jahren veröffentlicht, ist aber auch heute noch spannend zu lesen. Zwei Kreisstädte wurden untersucht, eine davon in Sachsen, die zweite in Bayern. Bei der bayerischen Stadt handelt es sich, obwohl im Text anonymisiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit um Wunsiedel, was die Lektüre zusätzlich interessant macht!

Ein einleitender und zusammenfassender Text:

"Abweichende Meinungen werden in ländlichen Räumen kaum toleriert. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Grenzen lokaler Demokratie - Zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Nazis im ländlichen Raum", welche von der grünen Bundestagsfraktion im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben worden war.

Die Studie zeigt: Das Problem liegt im Denken großer Bevölkerungsteile, nicht im Handeln sogenannter extremer Randgruppen. Unabhängig von Bildung, Alter, Geschlecht oder sozialem Status trifft man in Deutschland auf hohe Zustimmung zu rassistischen und antisemitischen Einstellungen. In ländlichen Regionen, in denen eine Vielfalt von Angeboten häufig fehlt, treten die Erscheinungsformen verstärkt zutage. Alternative Anti-Nazi-Initiativen haben oft einen schweren Stand.

Im ländlichen Raum geht ohne das Engagement der BürgermeisterInnen nichts. Als Grund für die Probleme von Antinazi-Initiativen in Dörfern und Kleinstädten ermittelte die Studie ein Demokratiedefizit. "Andere Meinungen in wichtigen politischen Fragen werden kaum ertragen", konstatieren Doris Liebscher (Antidiskriminierungsbüro Leipzig) und Dr. Christian Schmidt (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig), die AutorInnen der Studie. Entsprechend schwer haben es politische Gruppen, mit ihrer Kritik von den kommunalpolitisch Verantwortlichen gehört zu werden. Wer Kritik an den Behörden übt, gilt schnell selbst als extrem. Dies belegen viele Interviews, die mit Personen von unterschiedlichen Behörden und Initiativen durchgeführt wurden.

Im Ergebnis der Untersuchungen sind in der Studie differenzierte Empfehlungen aufgelistet."


Die Studie im Internet: hier klicken!

Spezialitäten aus Mittelfranken: Eine Broschüre speziell über unsere Region (Stand 2003)

Zur Broschüre "Spezialitäten aus Mittelfranken": hier klicken!

Die Broschüre beinhaltet das Ergebnis jahrelanger Recherchen und ist immer noch interessant zu lesen!