Nürnberger Bündnis Nazistopp
 
      
 
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Nürnberg: Broschüre "Kritik an der geschönten und verkürzten Darstellung zahlreicher Künstlerbiografien der Nazizeit im Nürnberger Künstlerlexikon" erschienen (März 2016)

Im Rahmen eines Pressegesprächs am 4. März im Nürnberger Gewerkschaftshaus wurde eine neue, 22-seitige Broschüre mit dem Titel "Kritik an der geschönten und verkürzten Darstellung zahlreicher Künstlerbiografien der Nazizeit im Nürnberger Künstlerlexikon" vorgestellt.

Der im Nürnberger Bündnis Nazistopp aktive Autor, Max Gnugesser-Mair, schrieb in der Einleitung unter anderem: "In der postnazistischen Gesellschaft der 1950er Jahren konnten zahlreiche vormals nationalsozialistische FunktionsträgerInnen ihre Karrieren fortsetzen. Biografien wurden häufig geschönt oder auch gänzlich umgeschrieben. Das 2007 im renommierten Saur-Verlag erschienene Nürnberger Künstlerlexikon atmet noch ein halbes Jahrhundert später diesen Geist. Nicht wenige Artikel, die sich KünstlerInnen widmen, die zwischen 1933 und 1945 für das NS-Regime aktiv waren, beinhalten relevante Auslassungen, Beschönigungen oder Verkürzungen".

Das vierbändige Nürnberger Künstlerlexikon gilt mittlerweile als Standardwerk zum Thema Nürnberger Künstlerbiografien. Umso notwendiger erscheint die kritische Ergänzung und Korrektur der KünstlerInnenbiografien der NS-Zeit.

Die Publikation wurde durch die Gewerkschaft ver.di sowie das Nürnberger Bündnis Nazistopp unterstützt.

Die Broschüre zum Download: hier klicken!

(4.3.16)

Bayern: Rassistische Einstellungen weit verbreitet (April 2015)

Die neuesten, auf Bundesländer heruntergebrochenen Daten der Leipziger Forschungsgruppe, die alle zwei Jahre ihre "Mitte"-Studie auf den neuesten Stand bringt, sind laut sueddeutsche.de (6.4.15) für Bayern besorgniserregend: "Jeder Dritte (33,1 Prozent) hier teilt ausländerfeindliche Einstellungen, jeder Achte (12,6 Prozent) stimmt antisemitischen Aussagen zu. Damit sind ausländerfeindliche und antisemitische Einstellungen in Bayern so weit verbreitet wie in fast keinem anderen Bundesland". Nur im Bundesland Sachsen-Anhalt seien die entsprechenden Werte noch ausgeprägter.

sueddeutsche.de ("Ausländerfeindliche Einstellungen in Bayern weit verbreitet", 6.4.15): hier klicken!

Bayern: "Fünf NSU-Morde in Bayern – und alles bleibt wie es ist?" - Neue informative Broschüre der Nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts (NBB) zum Thema erschienen! (Oktober 2014)

Eine neu erschienene Broschüre mit dem Titel "Fünf NSU-Morde in Bayern – und alles bleibt wie es ist?" versucht unter anderem, die Arbeit des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses kritisch zu bilanzieren und den Wissensstand zum Thema "NSU und bayerische Naziszene" zusammenzufassen. Erstellt wurde die Publikation von Aktiven der Nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts (NBB), herausgegeben von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Bamberg.

Besonders spannend und aufschlussreich sind die Beiträge, die die Aktivitäten der Nazi-Szene in den 1990er Jahren beschreiben. In diesen Jahren der blutigen Pogrome gegen Flüchtlinge entstand der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU), in diesen Jahren war aber auch hiesige Naziszene extrem aktiv. Nachdenklich und wütend macht die Dokumentation der Aktivitäten der fränkischen Neonazis nach Aufdeckung der NSU-Morde im November 2011. Die Szene tauchte nicht ab, ganz im Gegenteil: Drohungen gegen MigrantInnen und Terror gegen AntifaschistInnen eskalierten. Autos wurden angezündet und schwer beschädigt, Aktive bedroht und beleidigt. Aufgeklärt wurden die dokumentierten Übergriffe so gut wie gar nicht.

Die Broschüre ist zum Preis von 3,50 Euro ab sofort erhältlich im Gewerkschaftshaus Nürnberg am Kornmarkt, im Rechtsschutzbüro der Gewerkschaft ver.di (Raum 5.20, 5. Stock, 8 bis 16 Uhr). Bestellungen per Email an nbb_gegen_rechts@yahoo.de, Preis 5 Euro pro Exemplar incl. Porto und Verpackung. Zusendung nach Zahlung per Vorkasse, Kontoverbindung wird per Mail zugeschickt.

Zum Inhaltsverzeichnis der Broschüre: hier klicken!

130 Orte: Dokumentation des aida-Archivs München über rassistische Proteste und Angriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte in Bayern in den letzten Jahren (März 2014)

Das aida-Archiv München hat eine Dokumentation über rassistische Proteste und Angriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte in Bayern in den letzten Jahren zusammengestellt. Der am 22. März erschienene Artikel ist hier verlinkt.

"Die gesamte Bandbreite neonazistischer Ideologie-Versatzstücke transportiert" - Analyse einiger Texte des Neonazi-Konzerts in Scheinfeld im Oktober 2013 (Januar 2014)

Das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) Nürnberg hat sich die Mühe gemacht, einige Texte der Neonazibands zu analysieren, die bei einem großen Neonazikonzert im mittelfränkischen Scheinfeld am 12. Oktober 2013 auftraten. Das Fazit: "Die Auswertung der Texte hat gezeigt, dass in Scheinfeld die gesamte Bandbreite neonazistischer Ideologie-Versatzstücke transportiert werden konnte. Zivilgesellschaftlicher Widerstand und eine kritische Auseinandersetzung mit den über solche Konzerte vermittelten Inhalten sind dringend notwendig."

Die komplette ISFBB-Analyse vom Januar 2014 "Großes Neonazikonzert in Scheinfeld 2013 – Anmerkungen zu einigen Songtexten": hier klicken!

Extrem rechte Kroatien-Kontakte des in Mittelfranken lebenden baden-württembergischen NPD-Chefs (Oktober 2013)

Was macht(e) eigentlich der im mittelfränkischen Gastenfelden (Gemeinde Buch am Wald) lebende baden-württembergische NPD-Chef Alexander Neidlein? Ein aktueller Artikel der Wochenzeitung Kontext (2.10.13) klärt auf: "Alexander Neidlein kämpfte 1993 als 18-Jähriger in Bosnien für den kroatischen Faschisten Dobroslav Paraga und seine Miliz. In einem Telefoninterview mit dem neonazistischen Online-TV-Sender FSN-TV verteidigte er seinen 'Einsatz' in Nordbosnien, der Herzegowina und Mostar als 'Kampf in der Herzegowina gegen diese Moslems'. Er habe helfen wollen, den muslimischen Staat Bosnien-Herzegowina zu verhindern und dafür einen Bauchdurchschuss 'von den Muselmännern' erhalten, wie er die muslimischen Bosniaken nennt."

Der gesamte Artikel: "'Für die Heimat bereit'", 2.10.13, hier klicken!

Mittel- und Oberfranken: "Aufklärung muss man selber machen". Neue Broschüre "Braune Soß aus Franken – Strukturen der Neonazis und extrem Rechten in Mittel- und Oberfranken und der Widerstand dagegen" erschienen (Mai 2012)

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde am Sonntag, den 30. April 2012 die neue Broschüre "Braune Soß aus Franken – Strukturen der Neonazis und extrem Rechten in Mittel- und Oberfranken und der Widerstand dagegen" vorgestellt. Ein Vertreter der HerausgeberInnen, des Berliner Vereins "Argumente – Netzwerk antirassistischer Bildung e.V." und VertreterInnen regionaler Bündnisse diskutierten das neue Druckwerk. "Aufklärung muss man selber machen", so der Argumente-Vertreter angesichts der aus den Untersuchungsausschüssen hervortröpfelnden Halbwahrheiten und angesichts der Vertuschungsversuche staatlicher Behörden in Sachen NSU-Morde.

Die Broschüre (96 Seiten, Format DIN A 4) ist sehr empfehlenswert. Bestellungen zum Preis von 6 Euro zzgl. Porto und Verpackung sind möglich über die Mail-Adresse mail@argumente-netzwerk.de

In Nürnberg kann die "Braune Soß" auch bei ver.di, K.I.B.S. im Erdgeschoß des Gewerkschaftshauses, Kornmarkt, erworben werden (Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr und 12.30 Uhr bis 16.30 Uhr sowie Freitag 8.30 Uhr bis 13.00 Uhr). Spenden zur Unterstützung des Projekts und zur Deckung der Druckkosten sind erwünscht:
Argumente e.V., Stichwort: SoKo Kesselfleisch, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00, Konto: 32 85 900.

Finanziell unterstützt wurde die Broschüre durch die Gewerkschaft ver.di Mittelfranken, das Bürgerforum Gräfenberg, die Grüne Liste Erlangen, den Bundestagsabgeordneten Harald Weinberg, die Migrantenorganisation DIDF Nürnberg sowie die VVN-BdA Bayern. Christine Stahl, Mitglied des Bayerischen Landtags, hat ein Grußwort beigesteuert.

Auszüge aus der aktuellen Pressemitteilung der Recherchegruppe "SoKo Kesselfleisch":

"Franken war bereits in der Weimarer Republik eine Hochburg des Antisemitismus und folglich auch des Nationalsozialismus und gilt bis heute als eines der Aktionszentren neonazistischer Gruppierungen in Deutschland. Die AutorInnen der „SoKo Kesselfleisch“, die akribisch recherchiert und die Broschüre in ehrenamtlicher Arbeit erstellt haben, begnügen sich nicht mit der bloßen Darstellung regionaler neonazistischer Erscheinungsformen wie z.B. des „Freien Netz Süd“ oder der „Kameradschaft Altmühltal“. Ein wichtiger Schwerpunkt der Broschüre ist die Darstellung des Widerstandes gegen Neonazis im Raum Franken. So werden Kriminalisierungsversuche antifaschistischen Widerstandes durch Polizei und Behörden dargestellt, ebenso wie das lange Zeit offiziell praktizierte und von den AutorInnen als unwirksam angesehene „Aktive Ignorieren“ neonazistischer Aktivitäten in Nürnberg. „Nazis in Nürnberg – gefährlich und unterschätzt“ lautet ein Beitrag, der u.a. die Ideologie und Praktiken der beiden Stadträte der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ in Nürnberg darstellt und analysiert. Dargestellt wird auch der jahrelange intensive und schließlich erfolgreiche Widerstand gegen über vierzig Neonaziaufmärsche in der oberfränkischen Kleinstadt Gräfenberg von 2006 bis 2009 sowie die antifaschistischen Proteste, die zur Schließung des Tönsberg-Ladens führten, einem Geschäft in der Nürnberger Innenstadt, in dem Kleidung der Marke Thor Steinar verkauft worden war. Die Buchautorin und Journalistin Andrea Röpke macht auf die nationalsozialistische Kindererziehungsmethoden der seit 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) aufmerksam, die auch in Franken aktiv war.

Ein weiterer Artikel widmet sich der rechten Gewaltwelle gegen AntifaschistInnen in Fürth. Unter die Lupe genommen werden auch die Immobilienkäufe mit rechtem Hintergrund sowie die Selbstdarstellung des „Zentralrat Souveräner Bürger“, einer Gruppierung aus dem Millieu der „Kommissarischen Reichsregierungen“. Beleuchtet werden weiterhin die seit zehn Jahren stattfindenden extrem rechten „Lesertreffen“ unter Beteiligung des norddeutschen Verlegers Dietmar Munier auf Schloss Weißenstein im oberfränkischen Pommersfelden. Nicht fehlen darf die auch in Franken aktive antisemitische „Germanische Neue Medizin“, deren Propagandisten teilweise haarsträubende judenfeindliche Theorien vertreten."


Bayern: Studium der Ermittlungsakten zum Oktoberfest-Attentat 1980 belegen enge Verwicklung des Attentäters in die damalige Neonazi-Szene (Oktober 2011)

"Aus jetzt frei gegebenen Akten geht hervor, dass der Oktoberfest-Attentäter von 1980 neben der „Wiking-Jugend“ und der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ unter anderem enge Kontakte zum „Hochschulring Tübinger Studenten“ (HTS) pflegte. Darüber berichtet aktuell auch der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Der HTS war 1968 als „antikommunistische Alternative“ unter maßgeblicher Beteiligung von Verbindungsstudenten gegründet worden", so der "Blick nach Rechts" vom 25. Oktober 2011.

Der gesamte Artikel: "Im braunen Sumpf", 25.10.11, hier klicken!

Biografien über Schickedanz, Diehl & Co.: "Schöllgens Bücher lesen sich, als seien sie vor 50 Jahren verfasst worden" (Mai 2011)

"Gregor Schöllgen von der Uni Erlangen und Privatbüros bieten Firmen an, gegen Honorar ihre Firmengeschichte zu schreiben. Ist das Wissenschaft?"

Dies fragt Christian Staas einleitend in einem Artikel für Zeit Online (4.5.11). Für die Region ist diese Fragestellung vor allem deshalb interessant, weil der Historiker Schöllgen biografische Arbeiten über hiesige Firmen und Firmenchefs mit "Verstrickungen" in der Nazizeit veröffentlicht hat.

Staas argumentiert: "Alle vier Bücher folgen demselben Erzählmuster der klassischen Heldengeschichte. (...) In allen vieren schließlich finden sich wortgleiche Textbausteine, vor allem in den Kapiteln über die NS-Zeit, wobei der immer gleiche Parcours von Argumenten durchlaufen wird. Station eins: der Eintritt in die NSDAP. Station zwei: Expansion durch »Arisierung« jüdischer Betriebe. Station drei: Beschäftigung von Zwangsarbeitern. Station vier: Entnazifizierung.

Entsprechend ähneln sich die Ergebnisse. Diehl, Brose, Schickedanz und einer der Schöller-Brüder sind in die NSDAP eingetreten, um Schlimmeres von Firma und Heimatstadt abzuwenden, nicht aber aus Überzeugung. »Arisierung«? Nein, in allen Fällen sei zwar jüdischer Besitz aufgekauft worden, aber es habe sich um gewöhnliche Verkäufe gehandelt zu verhältnismäßig fairen Preisen. Die Zwangsarbeiter seien gut behandelt worden. Und so steht das Urteil fest, in Übereinstimmung mit den Spruchgerichtskammern, die nach 1945 in den Entnazifizierungsverfahren entschieden haben: Diehl, Brose, Schickedanz und der Schöller-Bruder waren Mitläufer – außen braun, innen aber allein einer ökonomischen Ratio verpflichtet."


Dass diese das "Engagement" deutscher Firmen in der NS-Zeit verharmlosende Erzählweise mittlerweile auch in Fachkreisen kritisiert wird, ist lobenswert.

Der gesamte Artikel von Zeit Online: ("Die Firma zahlt"): hier klicken!

Nürnberger Nachrichten ("Wenn Geschichte zum Produkt wird", 29.4.11): hier klicken!

Analyse der u.a. im Nürnberger Tønsberg-Laden verkauften aktuellen Thor-Steinar-Kollektion durch ver.di Mittelfranken (April 2010)

Ver.di Mittelfranken analysiert die u.a. im Nürnberger Tønsberg-Laden verkaufte aktuelle Thor-Steinar-Kollektion in einem ausführlichen Text. "Insgesamt setzt Thor Steinar seine Design-Strategie fort. Die faschistischen Reminiszenzen und Assoziationen weichen zusehends dem Abfeiern der Marke als solche. Nach erfolgreicher Verortung als rechte Marke reichen nun Logo und Schriftzug völlig aus, um faschistische Identität zu demonstrieren. "Thor Steinar" wird dabei immer mehr verkürzt: "Steinar" 2007 - "STNR" 2009 - "STN" 2010.

Auffällig ist, dass nunmehr das alte Logo mit der hieraus lesbaren Doppel-Sig-Rune vorrangig wiederverwendet wird, nachdem die verfassungsrechtliche Bedenklichkeit seitens der Justiz verneint wurde. Neu ist auch, dass das Gesicht der Models sämtlich nicht erkennbar ist, was für einen Modekatalog recht ungewöhnlich erscheint.

Die Kollektion bleibt weiterhin äußerlich sportlich schick. Reminiszenzen an den Hitler-Faschismus, Gewaltverherrlichung, deutsche Kolonialzeit und der Missbrauch Nordischer Mythologie bleiben dabei deutlich, ohne eine strafrechtlich relevante Grenze zu überschreiten."


Der ausführliche Text im Internet: hier klicken!

Vor 30 Jahren: Verbot der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann" (Januar 2010)

Die 1980 verbotene "Wehrsportgruppe Hoffmann" trieb ihr Unwesen zwar überregional, hatte ihre Zentrale jedoch lange Zeit im oberfränkischen Ermreuth. Zum Thema ein aktueller Artikel von Oliver Tolmein aus Deutschlandradio Online: hier klicken!

Nürnberg: Liste mit zahlreichen Namen der Nürnberger Gestapo aufgetaucht (Dezember 2009)

Ein Nürnberger Laienforscher stieß im Staatsarchiv Nürnberg auf ein vollständiges Organigramm der Gestapo Nürnberg. Dies ist nicht nur von rein historischem Interesse, da diese Herrschaften ihre Mitgliedschaft in der Terrororganisation Gestapo nach der Niederlage des Deutschen Reichs in der Regel verheimlichten:

"Viele in den Kriegsverbrecherprozessen gemachten Aussagen, so Thomas Auburger, wie beispielsweise die des SS-Obersturmführers Helmut Rudersdorf, der an Arisierungsaktionen beteiligt war, aber eine Mitgliedschaft bei der Gestapo immer verneint hat, können anhand des Organigramms nun widerlegt werden. Auch die Tatsache, dass ein großer Teil der Gestapo Nürnberg die Entnazifizierung schadlos überstanden hat, indem ihre Mitglieder nach 1945 sukzessive wieder als Polizeibeamte in den Staatsdienst übernommen wurden, lässt sich nun konkret aufzeigen" (Nürnberger Nachrichten, 18.12.09).

Eine Publikation über die Weiterbeschäftigung von Nazis in Nürnbergs Polizeiapparat wäre nun allerdings wirklich wünschenswert. Nicht nur die von der "Polizeikompanie Nürnberg" im deutschen Vernichtungskrieg 1939 - 1945 angerichteten Massaker (hier klicken!) verpflichten zu dieser Aufarbeitung der konkreten NS-Geschichte vor Ort.

Der vollständige NN-Artikel: hier klicken!

Nürnberg, Fürth, Gräfenberg: Kontroversen um die braunen Jahre. Regionale Vergangenheitsbewältigung ist noch lange nicht abgeschlossen (Gustav Schickedanz) bzw. fängt gerade erst an (Dr. Carl Ittameier) (November 2009)

Der Fall Gustav Schickedanz: Im Herbst 2009 wärmte die "Abendzeitung Nürnberg" (AZ) einige Legenden zum Quelle-Gründer in Form einer Artikelserie erneut auf. Wir entgegnen mit einer Zusammenfassung neuerer Publikationen der beiden Nürnberger Historiker Dr. Eckart Dietzfelbingen und Peter Zinke. Zu unserem Artikel "Der gereinigte Gustav": hier klicken!

Der Fall Dr. Carl Ittameier: Am 13.11.09 fand im völlig überfüllten Gräfenberger evangelischen Gemeindehaus ein Vortrag des Historikers Dr. Thomas Greif zum Thema "Gräfenberg und der Nationalsozialismus (1930-1945)" statt. Kernaussage des Referenten: Gräfenberg war vor allem in den Jahren vor 1933 eine "braune Hochburg". Dies zeigte sich erstens in der Tatsache, dass sich der zweitgrößte Ort des damaligen Kreises Forchheim Anfang der 1930er Jahre zum zunehmend bestimmenden Zentrum der Partei in der Region entwickelte. Von dort aus, getragen u.a. von der äußerst aktiven Gräfenberger NSDAP-Ortsgruppe, wurde die ganze Umgebung propagandistisch durchdrungen. Ortsgruppenleiter war ab 1930 der in Gräfenberg ansässige Arzt Dr. Ittameier (1882 - 1978). Konsequenterweise wurde nach der NS-Machtübernahme zunächst Gräfenberg und nicht Forchheim Sitz der NSDAP-Kreisleitung; Ittameier wurde zum Kreisleiter ernannt.

NSDAP-Wahlergebnisse von teilweise deutlich über 80% bei den letzten freien Wahlen deuten zweitens darauf hin, dass die Nationalsozialisten in Gräfenberg - wie in einigen anderen Regionen Mittel- und Oberfrankens - bereits vor 1933 mental die Macht ergriffen hatten.

Im Zentrum der Kontroverse stand die Person Dr. Ittameier, von einigen älteren GräfenbergerInnen beschönigt und mit den in solchen Fällen üblichen Konstruktionen ("war kein schlechter Mensch", "lebte neben einer Jüdin", "rettete ein behindertes Kind" usw.) dargestellt und verteidigt. Diesen teilweise widerlegbaren Zeitzeugen"erinnerungen" stellte Greif unbestreitbare Fakten zur Seite: Ittameier war 1936 an der Zerstörung von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof Ermreuth beteiligt. Weiter wirkte er in der Pogromnacht im November 1938 in Forchheim an der Spitze einer Abteilung von Nazis, die brandschatzend, zerstörend und Juden angreifend durch die Stadt zogen. Dafür wurde er 1949 vom Landgericht Bamberg als einer der Haupträdelsführer wegen schweren Land- und Hausfriedensbruchs zu einer Strafe von fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Krieg von der Spruchkammer als "Hauptschuldiger" eingestuft, verbüßte er seine Haftstrafe und lebte danach noch viele Jahre in Gräfenberg.

Zum Artikel der Nordbayerischen Nachrichten (18.11.09): hier klicken!

Vom Ursprung deutschen Reichtums: Die Schaeffler AG (April 2009)

Wegen des lokalen Bezugs geben wir einen Bericht auf NPD-blog.info über die "Vorgeschichte" der offiziellen Firmengeschichte der Schaeffler Gruppe (Stammsitz Herzogenaurach) wieder:

"Berichte über ein NS-Lager im ehemaligen deutschen Katscher (heute Kietrz/Südpolen) haben nach einem Bericht von German-Foreign-Policy.com neue Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe geliefert. Wie aus den Berichten hervorgehe, bediente sich die damalige Schaeffler AG in den letzten Kriegsjahren der Arbeitskraft von Gefangenen, die im "Polenlager Nr. 92" in Katscher interniert waren.

In "Polenlagern" wurden demnach vor allem Menschen festgehalten, die den Behörden wegen passiven oder aktiven Widerstands gegen die deutschen NS-Besatzer bekannt waren. Überlebende des "Polenlagers", die in der Schaeffler AG Zwangsarbeit leisten mussten, berichten den Angaben zufolge, dort sei "auch Menschenhaar verarbeitet" worden. Dies deckt sich mit Erkenntnissen polnischer Wissenschaftler, denen zufolge Menschenhaar aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Katscher verwertet wurde. Die Auseinandersetzung um eventuelle Geschäftskontakte der Schaeffler AG zum Lager Auschwitz finde weiterhin fast gänzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, schreibt GFP.com weiter.

Die NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe, die ihre Gründung offiziell immer noch auf das Jahr 1946 datiere, sei mittlerweile in Umrissen bekannt. Demnach übernahm Wilhelm Schaeffler 1940 im damals schlesischen Katscher (heute: Kietrz/Südpolen) eine Textilfabrik, deren jüdischer Vorbesitzer im Jahr 1933 hatte fliehen müssen. Schaeffler stieg den Angaben zufolge bald in die Rüstungsproduktion ein und verdiente Geld mit der Produktion für die Wehrmacht und den deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa. Umstritten sei noch immer die Frage, ob Schaeffler Geschäftskontakte zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau unterhielt. Hinweise darauf hatte german-foreign-policy.com Anfang Februar veröffentlicht."


Zum gesamten Bericht mit weiteren Links: hier klicken! Vorausgegangen waren mehrere Berichte in überregionalen Medien in den letzten Wochen (Spiegel TV, süddeutsche.de usw.).

Grenzen lokaler Demokratie - Grüne Studie untersucht zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Nazis im ländlichen Raum (2009)

Die im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion erstellte Studie "Grenzen lokaler Demokratie - Zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Nazis im ländlichen Raum" wurde zwar bereits vor 2 Jahren veröffentlicht, ist aber auch heute noch spannend zu lesen. Zwei Kreisstädte wurden untersucht, eine davon in Sachsen, die zweite in Bayern. Bei der bayerischen Stadt handelt es sich, obwohl im Text anonymisiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit um Wunsiedel, was die Lektüre zusätzlich interessant macht!

Ein einleitender und zusammenfassender Text:

"Abweichende Meinungen werden in ländlichen Räumen kaum toleriert. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Grenzen lokaler Demokratie - Zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Nazis im ländlichen Raum", welche von der grünen Bundestagsfraktion im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben worden war.

Die Studie zeigt: Das Problem liegt im Denken großer Bevölkerungsteile, nicht im Handeln sogenannter extremer Randgruppen. Unabhängig von Bildung, Alter, Geschlecht oder sozialem Status trifft man in Deutschland auf hohe Zustimmung zu rassistischen und antisemitischen Einstellungen. In ländlichen Regionen, in denen eine Vielfalt von Angeboten häufig fehlt, treten die Erscheinungsformen verstärkt zutage. Alternative Anti-Nazi-Initiativen haben oft einen schweren Stand.

Im ländlichen Raum geht ohne das Engagement der BürgermeisterInnen nichts. Als Grund für die Probleme von Antinazi-Initiativen in Dörfern und Kleinstädten ermittelte die Studie ein Demokratiedefizit. "Andere Meinungen in wichtigen politischen Fragen werden kaum ertragen", konstatieren Doris Liebscher (Antidiskriminierungsbüro Leipzig) und Dr. Christian Schmidt (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig), die AutorInnen der Studie. Entsprechend schwer haben es politische Gruppen, mit ihrer Kritik von den kommunalpolitisch Verantwortlichen gehört zu werden. Wer Kritik an den Behörden übt, gilt schnell selbst als extrem. Dies belegen viele Interviews, die mit Personen von unterschiedlichen Behörden und Initiativen durchgeführt wurden.

Im Ergebnis der Untersuchungen sind in der Studie differenzierte Empfehlungen aufgelistet."


Die Studie im Internet: hier klicken!

Spezialitäten aus Mittelfranken: Eine Broschüre speziell über unsere Region (Stand 2003)

Zur Broschüre "Spezialitäten aus Mittelfranken": hier klicken!

Die Broschüre beinhaltet das Ergebnis jahrelanger Recherchen und ist immer noch interessant zu lesen!