Nürnberger Bündnis Nazistopp
 
      
 
September 2021

August 2021

Juli 2021

Juni 2021

Mai 2021

April 2021

März 2021

Februar 2021

Januar 2021

Dezember 2020

November 2020

Oktober 2020

September 2020

August 2020

Juli 2020

Juni 2020

Mai 2020

April 2020

März 2020

Februar 2020

Januar 2020

Dezember 2019

November 2019

Oktober 2019

September 2019

August 2019

Juli 2019

Juni 2019

Mai 2019

April 2019

März 2019

Februar 2019

Januar 2019

Dezember 2018

November 2018

Oktober 2018

September 2018

August 2018

Juli 2018

Juni 2018

Mai 2018

April 2018

März 2018

Februar 2018

Januar 2018

Dezember 2017

November 2017

Oktober 2017

September 2017

August 2017

Juli 2017

Juni 2017

Mai 2017

April 2017

März 2017

Februar 2017

Januar 2017

Dezember 2016

November 2016

Oktober 2016

September 2016

August 2016

Juli 2016

Juni 2016

Mai 2016

April 2016

März 2016

Februar 2016

Januar 2016

Dezember 2015

November 2015

Oktober 2015

September 2015

August 2015

Juli 2015

Juni 2015

Mai 2015

April 2015

März 2015

Februar 2015

Januar 2015

 
Druckversion

Nürnberg / Schwarzenbruck: Extrem rechte Medienplattform "Hallo Meinung" nicht mehr gemeinnützig (August 2020)

Die vom Schwarzenbrucker Unternehmer Peter Weber gegründete extrem rechte Medienplattform "Hallo Meinung" ist nach verschiedenen Interventionen aus unserem Bündnis bei Staatsregierung und Finanzbehörde nicht mehr als gemeinnützig anerkannt. Nach Auskunft des Firmengründers in einem Youtube-Video wurde die Gemeinnützigkeit mit Schreiben vom 30. Juli 2020 durch das Zentralfinanzamt Nürnberg aberkannt. Mit einer Umfirmierung zu "Hallo Meinung - Gesellschaft für freies Denken und politische Einflussnahme mbH" besiegelte Peter Weber daraufhin diesen Entzug der Gemeinnützigkeit, indem er den Geschäftszweck entsprechend änderte und nun quasi freiwillig auf die Vorteile einer Gemeinnützigkeit verzichten will. Bisherige formal gemäßigte Passagen im Handelsregisterauszug sind nun ersatzlos weggefallen, etwa die zu parteipolitischer Unabhängigkeit oder zur freiheitlichen Rechtsstaatlichkeit.

Peter Weber führt den Entzug der Gemeinnützigkeit auf einen "Krieg" von Politik und Medien gegen die Meinungsfreiheit zurück und nennt als scheinbaren Beleg hierfür die Berichterstattung der Nürnberger Nachrichten vom 30. Januar 2020 (zur Online-Version des Artikels: hier klicken!).

Dies verbindet er zugleich mit der – eher trotzig gehaltenen – Ankündigung, nun vom Ballast der Gemeinnützigkeit befreit, auf entsprechende Rücksichtnahmen verzichten zu können.

Das Nürnberger Bündnis Nazistopp begrüßt den Entzug der Gemeinnützigkeit bzw. je nach Lesart den freiwilligen Verzicht auf dieselbe sehr und wird die Entwicklung der genannten Medienplattform weiterhin beobachten. Mit 136.000 Facebook-Freunden und offensichtlich guter finanzieller Ausstattung findet jene mittlerweile erhebliche Beachtung in der gesamten extrem rechten Szene, aber etwa auch bei so genannten Corona-Kritikern. Sie bleibt wegen ihrer menschenfeindlichen Positionen bei vordergründig bürgerlicher Fassade gefährlich. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass es die Heimatgemeinde des Firmengründers bis heute nicht geschafft hat, sich von dessen Hetze zu distanzieren.

(27.8.20)

nordbayern.de ("'Hallo Meinung': Rechte Plattform aus Franken nicht mehr gemeinnützig", 30.8.20): hier klicken!, br.de ("Umstrittenes Portal 'Hallo Meinung' nicht mehr gemeinnützig", 28.8.20): hier klicken!

Bayreuth: Hitlergruß und rassistische Beleidigung im Supermarkt (August 2020)

Laut infranken.de (27.8.20) beleidigte ein Mann in einem Bayreuther Supermarkt eine Mutter mit Kind rassistisch und zeigte den Hitlergruß.

infranken.de ("Supermarkt-Kunde beleidigt Mutter und Tochter rassistisch - und zeigt Hitlergruß", 27.8.20): hier klicken!

Engelthal: Sparkassen-SB-Filiale mehrfach mit Corona-Schwurbler-Propaganda vollgeklebt (August 2020)

Eine SB-Filiale der Sparkasse in Engelthal war richtiggehend mit Propagandamaterial der Corona-Schwurbler geflutet. Laut Auskunft der Sparkasse distanziere man sich von derartigen Inhalten; das Material sei bereits mehrfach beseitigt worden.

(22.8.20)

Nankendorf und anderswo: Oberfränkische Biermarke in NPD-Hand / Geschäfte mit Nazis scheinen keine größeren Turbulenzen nach sich zu ziehen (August 2020)

Wir berichteten Anfang 2018, dass der baden-württembergischer NPD-Chef Janus Nowak die Gaststätte Polsterbräu im Waischenfelder Ortsteil Nankendorf inklusive Rechte auf die Biermarke bzw. die Braurezeptur erwerben wollte.

Der jetzige Stand laut Nürnberger Nachrichten (22.8.20, Printausgabe): Der mehrfach vorbestrafte Novak erwarb Marke und Braurecht von der Gemeinde Waischenfeld zum Preis von 155000 Euro, inklusive der Rezepturen. Das stillgelegte Brauhaus kaufte die Kommune; vom Verkäufer, dem Immobilienmakler Edgar Klaus aus Bayreuth, redet seitdem niemand mehr. Und dass das Bier wohl zumindest teilweise in Oberfranken, "bei einer Familienbrauerei", hergestellt wird, scheint auch niemanden zu interessieren.

"Polsterbräu" firmiere inzwischen als "Briefkastenfirma in Übersee", so die NN, und zwar in Belize City, Belize, natürlich einem Steuerparadies. Das Bier werde hauptsächlich im Internet vertrieben. Novak tauchte mit einem Shirt mit Aufdruck "Polsterbräu" im Juni 2018 bei einem Nazitreffen im thüringischen Themar auf; auch auf einem Sommerfest der Berliner NPD im selben Jahr sei das braune Bier ausgeschenkt worden.

nordbayern.de ("Merkwürdig: Was macht fränkische Biermarke in Übersee?", 22.8.20): hier klicken!

Nürnberg: 180 Menschen gegen Rassismus und rechten Terror (August 2020)

Am 19. August versammelten sich in Nürnberg auf dem Kornmarkt etwa 180 Menschen, um gegen Rassismus und rechten Terror zu protestieren. Anlass war der blutige rassistische Terroranschlag am 19. Februar in Hanau. Ähnliche Aktionen fanden auch in anderen Städten statt.

(20.8.20, Info: Twitterkanal der Initiative Das Schweigen durchbrechen)

Hohenberg a.d. Eger (Lkr. Wunsiedel): Neue Nazi-Immobilie in Oberfranken? (August 2020)

Wie br.de (19.8.20) schrieb, wollen Neonazis des III. Wegs ein Gasthaus im oberfränkischen Hohenberg a.d. Eger (Landkreis Wunsiedel) kaufen. Der Verkäufer wisse von nichts, heißt es. Nicht auszuschließen ist neben dem strategischen Interesse der Neonazis an einer weiteren Verwurzelung in der Region natürlich ein "Immobilienpoker", wie er bis in die 2000er Jahre mancherorts zu vermuten war: Besitzer maroder Immobilien tun sich mit Neonazis zusammen, die auf den Busch klopfen, damit Gemeinden zum Kauf drängen und den Kaufpreis in die Höhe treiben. Dass Neonazis finanziell davon profitieren, konnte bisher nicht bewiesen werden.

br.de ("Stadt Hohenberg nimmt Stellung zu möglicher Neonazi-Ansiedlung", 20.8.20): hier klicken!, br.de ("Aufregung in Oberfranken: Wollen Neonazis eine Immobilie kaufen?", 19.8.20): hier klicken!

Nürnberg: Justiz ermittelt gegen NPD-Video (August 2020)
- mehrfach aktualisiert -

Ja, die NPD gibt's auch noch und sie sollte nach wie vor nicht unterschätzt werden. Wegen eines kürzlich auf YouTube eingestellten rassistischen Hetzvideos der NPD Nürnberg ermittelt nun laut nordbayern.de (18.8.20) die hiesige Justiz.

Der Inhalt des rechten Videos in Kürze: Die NPD versuchte sich im Nürnberger Stadtteil Hasenbuck als Bürgerwehr und hetzte gegen dunkelhäutige Menschen. Der Nürnberger DGB-Chef Stephan Doll bezeichnete das Machwerk als "Hardcore-Nazipropaganda". Nachdem in dem mittlerweile wohl wieder gelöschten Filmchen persönliche Daten unbeteiligter NürnbergerInnen zu sehen waren, geht es nicht nur um Volksverhetzung, sondern auch um einen möglichen Verstoß gegen Datenschutzgesetze.

Update: Das Hetzvideo ist auf anderen Kanälen im Internet immer noch zugänglich. Und jetzt (24.8.20) wieder auf Youtube, angeblich überarbeitet.

br.de ("Nazi-Hetzvideo auf YouTube: Ermittlungen gegen Nürnberger NPD", 19.8.20): hier klicken!, nordbayern.de ("'Hardcore-Nazipropaganda': Ermittlungen gegen Nürnberger Hetzvideo", 18.8.20): hier klicken!

Oberprex (Ofr.): Gerichtsurteil - Rechte Immobilie muss an die Besitzerin zurückgegeben werden / Droht Erweiterung des neonazistischen Einflussbereichs in Oberfranken? (Juli / August 2020)
- mehrfach aktualisiert -

Laut einem aktuellen Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs war die Beschlagnahme des Nazi-Grundstücks im oberfränkischen Ort Oberprex rechtswidrig. Beim Stand der Dinge (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann aber wohl nur noch Beschwerde eingelegt werden) bekommen nun radikale Neonazis einen früheren Treffpunkt zurück. Ob sie den auch nutzen, wird sich herausstellen. Fazit: Die Neonazi-Domänen in Oberfranken werden weiter ausgebaut.

Besitzerin des Grundstücks ist oder war zumindest die Mutter des Neonazi-Funktionärs Tony Gentsch, der aktuell im Stadtrat von Plauen und im Kreisrat des Vogtlandkreises sitzt.

Das Oberprex-Anwesen wurde bis 2014 von den Neonazis des verbotenen "Freien Netz Süd" (FNS) genutzt. Ein Teil der ehemaligen FNS-AktivistInnen tummelt sich nun in der Neonazi-Partei "Der III. Weg".

Update 1: Antifaschistische BeobachterInnen berichten, das einschlägige Haus gehöre laut Aussage der Klägerin bereits ihrem Sohn, dem Neonazi-Aktivisten Verantwortlich für das gerichtliche Fiasko seien das bayerische Innenministerium und der bayerische Verfassungsschutz, weil sie dem Gericht falsche Einschätzungen geliefert hätten, zum Beispiel, dass das FNS konspirativ gearbeitet habe (Quellen: Robert Andreasch Twitter, PM MdL Florian Ritter).

Update 2: Laut br.de (17.8.20) wird nun vor dem Bundesverwaltungsgericht weiterverhandelt, nachdem der Freistaat Bayern Beschwerde gegen das VGH-Urteil eingelegt hat.

br.de ("Neonazi-Treff in Oberprex: Streit um Beschlagnahmung geht weiter", 17.8.20): hier klicken!, br.de ("Urteil: Beschlagnahmung von Neonazi-Treff Oberprex rechtswidrig", 1.7.20): hier klicken!

Weißenburg/Augsburg: Mittelfränkischer Polizist redete auf Demo der Coronaschwurbler (August 2020)
- mehrfach aktualisiert -

Laut br.de (10.8.20) redete ein Weißenburger Polizist auf einer Kundgebung der Corona-Schwurbler in Augsburg und verbreitete "gängige Verschwörungstheorien". Der Dienstgruppenleiter sei in der Folge "intern versetzt" worden, was auch immer das heißt.

Update 1: Laut nordbayern.de (13.8.20) sei der Mann wohl doch nicht versetzt worden, sondern vorläufig nicht mehr im "Dienst mit Bürgerkontakt" tätig usw.

Update 2: Nachdem der Weißenburger Corona-Rebellen-Polizist in der einschlägigen Szene wahlweise als Opfer oder als Held gefeiert wurde, kam es am Sonntag, den 16. August zu einer überregional beworbenen Corona-Schwurbler-Kundgebung in Weißenburg mit etwa 250 TeilnehmerInnen. Unter diesen befanden sich Impfgegner und Verschwörungsheinis, aber auch diverse Menschen, die via T-Shirt, Propagandamaterial oder eigene Internetauftritte für extrem rechte Politik warben. Und auch besagter Polizist redete erneut.

Update 3: Laut nordbayern.de (17.8.20) wurde die Facebookseite des Weißenburger Tagblatts "mit Kommentaren von Kritikern der Corona-Maßnahmen überhäuft". Die Zeitung recherchierte über die Hintergründe und fand heraus, dass der überregionale Shitstorm durch eine ehemalige Stadtratskandidatin der Linkspartei orchestriert worden war. Falls die Dame noch bei den Linken sein sollte: Sofort rausschmeißen, bitte!

Update 4: Wie nordbayern.de (30.8.20) schrieb, stand der Mann bei der großen Coronaschwurbler-Demo in Berlin am 29. August auf der Bühne.

Informationen auf der Seite des Landkreisbündnisses gegen rechts Weißenburg-Gunzenhausen: hier klicken!

nordbayern.de ("Weißenburger Polizist sprach bei Demo in Berlin", 30.8.20): hier klicken!, nordbayern.de ("Corona-Skeptiker: Die arrangierte Mehrheit im Netz", 17.8.20): hier klicken!, br.de ("Disziplinarverfahren gegen Polizisten nach Demo eingeleitet", 14.8.20): hier klicken!, nordbayern.de ("Corona-Auftritt des Weißenburger Polizisten weiter umstritten", 13.8.20): hier klicken!, br.de ("Polizist nach Rede auf Corona-Demo versetzt", 10.8.20): hier klicken!

Erlangen, 12. August: Kundgebung gegen AfD-Auftritt / Bewaffneter Mann versuchte, GegendemonstrantInnen einzuschüchtern (August 2020)
- aktualisiert -

Wie uns mitgeteilt wurde, demonstrierten in Erlangen am 12. August etwa vierzig Menschen gegen einen kleinen AfD-Auftritt. Die drei AfDler versuchten meist erfolglos, ihr Propagandamaterial zu verteilen.

Bedrohlich wirkte das Auftreten eines Mannes mittleren Alters, den ein umgehängtes Schild als Anhänger der Corona-Rebellen kennzeichnete. Auf Fotos sind kompakte Stiefel, Knie- und Ellbogenschoner sowie Handschuhe zu sehen; BeobachterInnen sprachen von Quarzhandschuhen. Am Gürtel schien er mindestens ein größeres Messer getragen zu haben. Die Polizei gab dem Mann nach einer Kontrolle sein/e Messer wieder zurück, unglaublich!

Update: Laut nordbayern.de (15.8.20) handelte es sich bei dem bewaffneten Mann um einen 58-jährigen Erlanger, "den ein auf den Rücken seines Shirts gehefteter Zettel als Impfgegner auswies". Der Erlanger Polizeisprecher habe mitgeteilt, dass die Messer gesetzlich erlaubt waren, "der Mann habe sich zudem friedlich verhalten und niemanden bedroht". Das sahen die GegendemonstrantInnen vor Ort verständlicherweise anders.

(12.8.20, ergänzt 16.8.20)

nordbayern.de ("Mann in Kampfmontur sorgt auf Demo in Erlangen für Irritationen", 15.8.20): hier klicken!

Hof: Absage von Naidoo-Konzert aus inhaltlichen Gründen (August 2020)

Die Stadt Hof sagte laut br.de (12.8.20) ein geplantes Konzert des Sängers Xavier Naidoo ab, und zwar aus inhaltlichen Gründen. Hofs OB Eva Döhla habe in Bezug auf Naidoo gesagt, in der Stadt "sei kein Platz für Menschen, die Ressentiments befeuerten, antisemitisches oder homophobes Gedankengut verbreiteten, Verschwörungstheoretikern nahe stünden oder sich von Extremisten vereinnahmen ließen".

br.de ("Umstrittene Äußerungen: Hof sagt Konzert von Xavier Naidoo ab", 12.8.20): hier klicken!

Bamberg: Corona-Rebellen-Redner mit ekelhaftem NS-Vergleich und Gewaltandrohungen (August 2020)

Ein gewisser Mario Buchner war am Samstag zu Gast bei den Bamberger Corona-Schwurblern und verstieg sich laut uns vorliegenden Videoausschnitten unter anderem zu einem ekalhaften NS-Vergleich: "Die Maske ist das neue Hakenkreuz". Des weiteren phantasierte er alle möglichen Szenarien inklusive Zwangsimpfung seiner Kinder herbei und leitete daraus das Recht zur Gewaltanwendung ab: "Ich werde mich mit Gewalt wehren". Soweit zur friedlichen Grundhaltung der "Corona-Rebellen".

(8.8.20)

Forchheim: Extrem rechte "Identitäre Bewegung" trat auf (August 2020)

Laut uns vorliegenden Meldungen trat eine kleine Gruppe der extrem rechten "Identitären bewegung" (IB) am Forchheimer Rathausplatz auf. Wahrscheinlich ein weiterer Versuch, über ihre politische Bedeutungslosigkeit hinwegzutäuschen. Näheres ist uns bisher nicht bekannt.

(8.8.20)

Berlin/Nürnberg: "Tag der Freiheit" in der Hauptstadt / Das komplette rechte Pack mobilisierte nach Berlin (August 2020)
- mehrfach aktualisiert -

KritikerInnen der Bewegung der rechtsoffenen Corona-Rebellen stach der Titel der zentralen Demonstration am 1. August in Berlin ins Auge: Ein "Tag der Freiheit" sollte es werden. Dabei haben solche Tage meist nichts Positives an sich. So fand vom 10. bis zum 16. September 1935 in Nürnberg der NSDAP-"Reichsparteitag der Freiheit" statt. Und dieser Vergleich der Bezeichnungen ist nicht einmal oberflächlich oder hart polemisch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass von Teilen der AfD (z.B. der Nürnberger MdB Martin Sichert) bis hin zu Neonazis und der Holocaustleugner-Szene so ziemlich alles in die Hauptstadt mobilisiert hat, was Rang und Namen hat in der extrem rechten Szene.

Die RealitätsleugnerInnen ("Ende der Pandemie") und die rechtsoffenen EsoterikerInnen ("Berlin wird mit Liebe geflutet" / "Für die Freiheit aller Deutschen") der Corona-Rebellen-Szene haben einige Monate nach Beginn dieser Bewegung nicht etwa übersehen, dass bei ihnen ständig extrem Rechte und radikale AntisemitInnen mitmarschieren: Es scheint zu ihrem Konzept zu gehören, sich nicht nur nicht abzugrenzen, sondern mit diesen Leuten aktiv zusammenzuarbeiten. So ließ sich der bekannte Corona-Aktivist Bodo Schiffmann vor einigen Tagen von dem extrem rechten Aktivisten Nikolai Nerling interviewen. Nerling gilt als wichtiger Aktivist der Holocaustleugner-Szene. In einem Satz: Da entsteht gerade eine neue extrem rechte Straßenbewegung, die wir vermutlich nicht so schnell loswerden. Da haben sich offensichtlich viele mit dem Verschwörungsvirus infiziert.

Dass es keine - laut OrganisatorInnen - 500.000 oder gar - laut dem offensichtlich völlig durchgeknallten "Freiheits-Chat" - 8,3 Millionen Menschen waren, die in Berlin aufschlugen, sondern "nur" 15.000 bis 20.000, sollte uns nicht beruhigen. Das sind nicht so wenige und intern wird das erst einmal Auftrieb geben.

Wie ist die Situation in Nürnberg? Die Corona-Rebellen mussten zuletzt am 24. Juli eine Schlappe hinnehmen: Trotz gemeinsamer Mobilisierung aller relevanten Gruppierungen blieb man auf dem Kornmarkt unter 200 AnhängerInnen. Dieser punktuelle organisatorische Zusammenschluss belegt jedoch, dass man intern befreundet ist und inhaltliche Differenzen wohl nicht so wichtig erscheinen. Das heißt aber auch, dass sich keine Gruppierung glaubhaft von extrem rechten Inhalten oder Organisationen abgrenzt. Wohin das führen kann, zeigte der Auftritt des regionalen Aktivisten "Ronny" am 24. Juli in Berlin bei Attila Hildmanns Kundgebung. Hildmann kündigte den Mann mit den Worten an, er sei ein "stolzer Deutscher", im Hintergrund waren Reichsfahnen zu sehen. "Ronny" riet den ZuhörerInnen von Krankenhäusern ab. Eine Freundin habe empfohlen: "Bleibt bei der germanischen Heilkunde". Die "Germanische Heilkunde", zeitweise auch als "Germanische Neue Medizin" bezeichnet, wurde von Ryke Geerd Hamer (1935 - 2017) gegründet. Hamer vertrat haarsträubende pseudo-medizinische Lehren, bekam die deutsche Approbation entzogen und wurde für einige Todesfälle von Patienten verantwortlich gemacht. Der Mann vertrat zudem harte antisemitische Positionen.

PS: Auch ein Nürnberger Techno-Kollektiv namens "Kammerflimmern" rief zur "Freedom Parade" in Berlin auf und wurde dort samt Wagen und Anlage gesehen. Das waren dann so Teilnehmer, die von naiven BeobachterInnen gerne als "links" tituliert werden.

PPS: Laut faz.net (3.8.20) kooperierte ein Netzwerk von BusunternehmerInnen namens #honkforhope mit den rechtsoffenen Corona-Rebellen und trug zur Mobilisierung nach Berlin bei.

PPPS: Überrascht es jemanden bei der beschriebenen Gemengelage noch, wenn in Berlin auch der wegen eines geplanten antisemitischen Bombenanschlags verurteilte Martin Wiese mitmarschierte?

(1.8.20, ergänzt 3., 4. und 19.8.20)

Sachsen bei Ansbach: Hakenkreuze auf der Straße und an Laternenmasten (August 2020)

Laut infranken.de (6.8.20) schmierte ein Unbekannter in Sachsen bei Ansbach Hakenkreuze auf die Straße und auf mehrere Laternenmasten.

Wie fraenkischer.de (1.8.20) schrieb, wurde in Sachsen bereits in Zeitraum 18./19. Juni ein Hakenkreuz in ein Feldkreuz eingebrannt.

Bamberg: Erwachter SPD-Fraktionschef? (August 2020)

Laut br.de (5.8.20) habe der Bamberger SPD-Fraktionschef auf seiner Facebook-Seite den Hashtag "Stay awake" veröffentlicht. Kritisiert wird er deshalb von einem Vertreter des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus. "Stay awake" sei ein "gefährliches Sammelbecken, in dem sich unter anderem Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker tummeln".

br.de ("Verstoß gegen Corona-Auflagen? Bambergs OB Starke in der Kritik", 5.8.20): hier klicken!

Hof: Hitlergruß und brutale Schlägerei (August 2020)

Wie frankenpost.de (1.8.20) schrieb, zeigten in Hof zwei junge Männer einer Gruppe von vier ebenfalls jungen Leuten den Hitlergruß und forderten diese auf, die Nazigeste zu erwidern. Nachdem dies keiner tat, begannen die offensichtlichen Nazis eine Schlägerei. Drei der Angegriffenen wurden verletzt.

frankenpost.de ("Zwei Männer zetteln Schlägerei wegen Hitlergruß an", 1.8.20): hier klicken!

Schwarzenbruck/Nürnberg: Hallo-Meinung-Chef Peter Weber promotet Rassismus pur und ermöglicht SelbstjustizfreundInnen, ihre mörderischen Gewaltfantasien abzusondern / Fazit: Fake News, rechte Lügenpropaganda (August 2020)

Am 30. Juli teilte der Schwarzenbrucker Unternehmer und Chef des gemeinnützigen Medienportals "Hallo Meinung" auf seiner persönlichen Facebookseite einen knapp eine halbe Minute dauernden Videofilm, auf dem zu sehen ist, wie zehn mutmaßlich britische PolizistInnen einen mit einem Messer bewaffneten jungen Mann versuchen zu ergreifen, jedoch von ihm bedroht werden. Aus der Dynamik folgt ein gegenseitiges Zurückweichen usw. Peter Weber kommentierte die Szene so: "Schaut euch mal bitte diesen Affentanz an... Rechts im Halfter der Herren die weglaufen befindet sich eine 9 mm... Wie weit soll die Erniedrigung eigentlich noch gehen?"

Der Film selbst wurde über 300.000 mal angesehen, Webers Post knapp 1700 mal kommentiert. Die Kommentare folgten größtenteils den Vorgaben des Meisters und gingen – wie beabsichtigt? – zum Teil weit darüber hinaus. Primitivste Gewaltfantasien brachen sich Bahn, unter anderem die eines deutschen Busunternehmers. Beispiele: "Da gibt es doch auch was von Heckler & Koch! Gutes Kaliber, gute und schnelle Besserung!" oder "Ein Schuss in die Knoche schon ist das Tier ruhig" oder aber "Solche Typen sollte man gleich erschießen, dann kosten sie den Steuerzahler wenigstens kein Geld mehr und können auch keinen mehr verletzen". Und so weiter und so fort.

Ergänzt wurde das Ganze dann noch mit Hinweisen auf die Auslegung der bundesdeutschen Gesetze ("Unsere Gesetze gelten nur für Deutsche") und einfach gestrickte Einführungen in das Reichsbürgerwesen ("Ist ganz einfach zu erklären die Polizei hat kein Beamtenstatus da es keine Staat gibt nur eine aufgelöste BRD / GmbH"). Und schließlich durfte auch plattester Hardcore-Rassismus nicht fehlen ("Nur Irre Schwarze sind in Deutschland angeflutet worden!"). Stand der Kommentare ist der 1. August, Rechtschreibfehler im Original wurden belassen.

Und was waren jetzt, jenseits der rechten Hetzerei, die Fake-News? Herr Weber erwähnte nicht, dass das Video aus Großbritannien stammt, zudem fünf Jahre alt ist und sinnentstellend gekürzt wurde: Im Verlauf des Originalvideos sieht man, wie der dunkelhäutige Mann von den PolizistInnen überwältigt und in einen Krankenwagen verfrachtet wurde.

(2.8.20)